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Lohnt sich ein Speicher? Die Rechnung mit deiner Grundlast

Ein Speicher bringt nur Geld, wenn er Strom verschiebt, den du sonst verschenken würdest. Warum ausgerechnet eine niedrige Grundlast den Speicher interessanter macht, mit unserer Modellrechnung für Berlin.

Von Wattlich-RedaktionGeprüft am 03.11.2026

Ein Speicher klingt nach der logischen Ergänzung: Tagsüber scheint die Sonne, abends brauchst du Strom, also speicherst du ihn. Ob sich das rechnet, hängt aber an einer Zahl, die kaum jemand kennt: deiner Grundlast. Und zwar anders, als man zuerst denkt.

Warum überhaupt ein Speicher?

Strom aus dem Balkonkraftwerk, den du nicht im selben Moment verbrauchst, fließt ins Netz. Dafür bekommst du in der Regel kein Geld, die vereinfachten Regeln setzen die unentgeltliche Abnahme voraus (§ 21 EEG). Jede Kilowattstunde, die du selbst nutzt, spart dir dagegen den vollen Strompreis, laut BDEW im Schnitt 37,3 Cent im Jahr 2026.

Ein Speicher nimmt den Überschuss vom Mittag auf und gibt ihn abends oder nachts wieder ab. Sein Wert ist genau die Menge Strom, die er auf diese Weise verschiebt, mal dein Strompreis, abzüglich der Verluste beim Laden und Entladen.

Was die Grundlast damit zu tun hat

Die Grundlast ist der Verbrauch, der immer läuft: Kühlschrank, Router, Geräte im Standby. Du misst sie am einfachsten nachts mit einem Zwischenstecker oder am Zähler, wenn alles aus ist, was aus sein kann.

Die Grundlast wirkt in zwei Richtungen:

  • Ohne Speicher ist eine hohe Grundlast ein Vorteil. Was das Balkonkraftwerk tagsüber liefert, wird von Kühlschrank und Co. direkt verbraucht. Es bleibt wenig Überschuss.
  • Mit Speicher ist eine hohe Grundlast deshalb ein Nachteil für die Rechnung des Speichers. Wenn tagsüber kaum Überschuss entsteht, hat der Speicher wenig zu tun.

Umgekehrt gilt: Wer eine niedrige Grundlast hat, verschenkt ohne Speicher viel Strom ins Netz. Genau hier kann ein Speicher etwas bringen.

Unsere Modellrechnung für Berlin

Wir haben das mit unserem Planer durchgerechnet. Annahmen: zwei Module mit je 450 Wp senkrecht am Balkongeländer nach Süden, 800 W Wechselrichter, Standort Berlin mit Solardaten von PVGIS (Mittel der Jahre 2014 bis 2023), 14 Prozent Systemverluste, 2.500 kWh Jahresverbrauch, Strompreis 37,3 ct/kWh. Der Speicher hat 2 kWh nutzbare Kapazität, 85 Prozent Wirkungsgrad, 8 W Standby, gibt Strom nach Verbrauch ab (Nulleinspeisung mit Smart Meter) und kostet 850 Euro. Das liegt in der Preisspanne von rund 700 bis 1.000 Euro, die Stiftung Warentest für die getesteten Geräte nennt.

Das Balkonkraftwerk liefert in diesem Beispiel rund 674 kWh im Jahr.

Grundlast Selbst genutzt ohne Speicher Ersparnis ohne Speicher Ersparnis mit Speicher Mehrwert des Speichers Amortisation des Speichers
60 W 320 kWh (47 %) 119 € im Jahr 228 € im Jahr 108 € im Jahr rund 7,8 Jahre
120 W 429 kWh (64 %) 160 € im Jahr 234 € im Jahr 74 € im Jahr rund 11,5 Jahre
200 W 553 kWh (82 %) 206 € im Jahr 241 € im Jahr 35 € im Jahr rund 24,4 Jahre

Quelle: unsere Modellrechnung für Berlin mit dem Wattlich-Planer, Stand 3. November 2026. Die Amortisation des Speichers ist hier ohne Strompreisänderung und ohne Alterung gerechnet.

Was die Tabelle zeigt:

  • Bei 60 W Grundlast verschenkt das Balkonkraftwerk ohne Speicher mehr als die Hälfte seines Stroms. Der Speicher holt viel davon zurück und hat sich in diesem Beispiel nach knapp acht Jahren bezahlt.
  • Bei 200 W Grundlast wird ohne Speicher schon gut 80 Prozent selbst genutzt. Der Speicher bringt nur noch rund 35 Euro im Jahr und braucht über 20 Jahre, um seinen Preis einzuspielen. Das ist länger, als man bei einem Speicher sicher planen sollte.
  • Das Balkonkraftwerk allein rechnet sich in allen drei Fällen deutlich schneller als der Speicher.

Was die Rechnung sonst noch verschiebt

  • Mehr Modulleistung. Mit Modulen, die flacher aufgestellt sind oder mehr Wp haben, entsteht mittags mehr Überschuss. Der Speicher bekommt mehr zu tun. Ausprobieren kannst du das im Planer.
  • Der Preis des Speichers. Bei 600 statt 850 Euro sieht die Rechnung entsprechend besser aus, bei 1.000 Euro schlechter. Der Mehrwert pro Jahr bleibt gleich, die Amortisation skaliert mit dem Preis.
  • Wirkungsgrad und Standby. Jede Kilowattstunde im Speicher kommt mit Verlust wieder heraus, und auch ein Speicher, der gerade nichts tut, verbraucht etwas Strom.
  • Die Steuerung. Ein Speicher, der nur eine feste Leistung abgibt, passt seine Abgabe nicht an deinen Verbrauch an. Mit Smart Meter und Nulleinspeisung folgt er dem Verbrauch und verschenkt weniger.

Grenzen unserer Rechnung

Wir rechnen mit Stundenwerten und einem dokumentierten Lastmodell, nicht mit Sekundenmessungen aus deinem Haushalt. Kurze Lastspitzen bilden wir mit einem vereinfachten Modell ab. Die Zahlen sind deshalb eine Modellrechnung und keine Garantie. Wenn du Messwerte deines Smart Meters hast, kannst du sie im Planer als CSV-Datei hochladen. Die Datei wird nur in deinem Browser verarbeitet.

Was du bei einem Speicher rechtlich beachten musst

  • Der Speicher muss ins Marktstammdatenregister, gemeinsam mit dem Balkonkraftwerk oder später (Register-FAQ).
  • Nach der technischen Anschlussregel VDE-AR-N 4105:2026-03 meldest du eine PV-Anlage mit Speicher zusätzlich mit einem vereinfachten Formular beim Netzbetreiber an. Für den vereinfachten Anschluss darf die Summe aller einspeisenden Geräte 800 VA nicht überschreiten.
  • Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 gilt nicht für Geräte mit Speicher.
  • Bei der Umsatzsteuer gilt eine Besonderheit für kleine Speicher, siehe 0 % Mehrwertsteuer: wann sie gilt.

Unser Rat

Miss zuerst deine Grundlast. Dann rechne beide Varianten im Planer mit deinem echten Verbrauch durch. Der Planer zeigt dir den Mehrwert des Speichers pro Jahr und wie lange er allein braucht, um sich zu bezahlen. Liegt diese Zeit deutlich über der Garantie des Herstellers, spricht die Rechnung eher gegen den Speicher.

Im Planer durchrechnen

Quellen

  1. PVGIS 5.3, European Commission Joint Research Centre
  2. BDEW-Strompreisanalyse Oktober 2026
  3. Stiftung Warentest: Speicher für Balkonkraftwerke im Test
  4. § 21 EEG 2023, unentgeltliche Abnahme
  5. Marktstammdatenregister, FAQ
  6. VDE-AR-N 4105:2026-03, Formulare
  7. UStAE 12.18 (BMF)

Prüfprotokoll: 03.11.2026, Wattlich-Redaktion: Gegen Primärquellen geprüft, Zahlen mit dem Wattlich-Planer berechnet

Allgemeine Information und Modellrechnung, keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung im Einzelfall.